„Eine jüdische Odyssee“ - Schüler*innen begegnen Zeitzeuge Felix Rottberger

Am Montag, den 23.09.2019 versammelten sich alle neunten und zehnten Klassen der Grimmelshausenschule Renchen zu einem sehr spannenden Vortrag.

 

 

 

Felix Rottberger, der Mitte September seinen 83. Geburtstag gefeiert hat, war angereist, um aus seinem turbulenten und bewegten Leben zu erzählen. Er wurde in Island geboren und war ehemaliger Mitarbeiter der jüdischen Gemeinde in Freiburg. Er hat sich als Zeitzeuge bei der Erinnerungsarbeit große Verdienste erworben. 2016 verlieh ihm Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz.

 

Zur Begrüßung wurde er von den Lehrern Alexandra Fischer und Florian Kurtz mit jiddischer Klezmer Musik überrascht. Felix Rottberger freute sich riesig über die ihm bekannten Stücke „Spiel mir ein Liedl“ und „Mazel Tov“. Auch Schulleiter Herr Meier hieß Felix Rottberger herzlich willkommen.

Felix Rottberger erzählte sehr anschaulich von der Odyssee seiner Familie durch Europa während des 2. Weltkrieges, von der ständigen Angst und Unsicherheit, die seine Kindheit geprägt haben.

Felix Rottbergers jüdische Eltern betrieben im Berlin der 30er Jahre ein gut gehendes Radiogeschäft. Ab dem Jahr 1933 mussten sie dieses durch den Boykott jüdischer Geschäfte aufgeben. Der Vater wurde in Schutzhaft gesteckt und misshandelt. Es gelang ihm, aus der Haft entlassen zu werden und nach Island zu emigrieren. Seine Frau folgte ihm wenig später mit dem ersten Kind nach Island. 1936 wurde Felix Rottberger in Island geboren. Sein Vater betrieb eine Lederwarenwerkstatt. 1938 wurde die Familie von Island ausgewiesen und sollte nach Deutschland zurückkehren. Aus der Erzählung über seine Familie: „Ins Land des Winters“ geschrieben von dem Isländer Einar Heimisson las Felix Rottberger vor, wie die Familie von der Polizei abgeholt wurde. Felix Rottbergers Großmutter, die später mit ihrem Sohn auch nach Island gekommen war, musste in Island bleiben. Sein Onkel versteckte sich und musste schwere Arbeit bei isländischen Bauern ertragen. Er lebte bis zu seinem Tod in Island.

Durch die Hilfe ihres dänischen Kindermädchens und durch glückliche Umstände konnten Familie Rottberger auf ihrem Weg zurück nach Deutschland in Dänemark Unterschlupf finden. 1943 begannen die Nazis auch in Dänemark systematisch nach Juden zu suchen. Die Familie musste 17 Mal umziehen. Sie lebten in Wäldern, wo Wind, Regen und Schnee der sechsköpfigen Familie zu schaffen machte. Mit Hilfe der dänischen Widerstandsbewegung sollte die Familie nach Schweden evakuiert werden. Doch dem Kapitän schien es zu gefährlich, die vier Kinder mitzunehmen. Im Trubel wurden die Kinder von den Eltern getrennt und die Eltern fuhren alleine nach Schweden.

Die Kinder wurden glücklicherweise in einem dänischen Kinderheim versteckt und später von einer Bäuerin versorgt. Felix Rottberger schildert gerührt von einer Begegnung mit einem deutschen Soldaten: „Nur wenn die Soldaten auf den Bauerhof kamen, um nach Lebensmitteln zu suchen mussten wir uns verstecken. Wir vier verbargen uns immer am selben Ort. Einmal entdeckte ein Soldat seine Schwester im Heu. Er nahm sich hoch und sagte: „So eine kleine süße Tochter habe ich auch in Hamburg“ und legte sie vorsichtig wieder ins Heu. Felix Rottberger äußerte seine Dankbarkeit für seine „Mutter“ im Kinderheim, die viel riskierte und sich mit ganzem Herzen für die Kinder einsetzte.

Ein weiteres Wunder war, dass sich Eltern und Kinder nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit Hilfe des dänischen Roten Kreuzes wiedergefunden haben. 1955 kam die Familie zu Fuß von Kopenhagen nach Konstanz. „Mein Vater hat sich immer als Deutscher gefühlt“, sagte Felix Rottberger und wollte nach Deutschland zurück. Er selbst hat eine Lehre in einer Lederwarenfabrik gemacht und später als Farbmacher gearbeitet. Ab 1966 war er Synagogendiener und Friedhofsverwalter in Freiburg, heiratete, hat fünf Kinder und 13 Enkelkinder.

Am Ende seines Vortrags betonte er ausdrücklich, wie wichtig es sei, jeden Menschen zu respektieren, egal welcher Religion er angehört und aus welchem Land er kommt.

Die Schülerinnen und Schüler bedankten sich mit großem Applaus bei Felix Rottberger und umringten ihn auch noch nach der Veranstaltung. Geduldig und mit strahlenden Augen beantwortete er Fragen und verabschiedete sich nach zwei Schulstunden herzlich.

 

 

 

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Schüler*innen begegnen Zeitzeugen (23.11.2019)