Unser neuer Schulleiter im Interview

07.10.2018

Haben Sie sich bereits an Ihrer neuen Wirkungsstätte eingelebt?

 

Ja, ich habe mich in den letzten drei Wochen bereits gut einleben können. Seit meiner Bestellung zum Schulleiter am 24. August habe ich unzählige neue Aufgaben übernommen und es haben sich mir viele neue Herausforderungen gestellt. Ich habe das große Glück, dass mich mein Kollegium, die Sekretärinnen und Hausmeister dabei sehr unterstützt haben. Es war ein herausfordernder aber sehr angenehmer und herzlicher Einstieg in mein erstes Jahr als Schulleiter.

 

Welche Aufgaben sind Sie als neuer Rektor zuerst angegangen?

 

Die Aufgaben als Schulleiter sind deutlich vielfältiger, als die, die ich bisher als Konrektor im Bereich Schulverwaltung ausgeübt habe. Da gilt es beispielsweise Rechnungen zu überprüfen, viele Formulare auszufüllen und zahlreiche Statistiken für das Schulamt zu bearbeiten. Da wird zu Schuljahresbeginn viel abgefragt, beispielsweise Schüler- und Personalzahlen, die wichtig für die Organisation des Schuljahres sind. Dann möchten Eltern ihre Kinder neu anmelden oder nochmals ummelden. Dies bedeutet dann viele Gespräche und viel Schreibarbeit im Büro. Zudem gilt es, eine Terminplanung für das gesamte Schuljahr zu erstellen. All dies war neu und in dieser Fülle von mir nicht so erwartet. Die Tage sind sehr lang, ein Zehn- bis Elf-Stunden-Tag ist es eigentlich immer.

 

Wann stand für Sie fest, dass Sie Rektor in Renchen werden?

 

In den vergangenen Jahren waren immer wieder mehrere Rektorenstellen in der Umgebung neu zu besetzen. Natürlich habe ich mir Gedanken darüber gemacht, es aber eigentlich nie ernsthaft erwogen. Nach vier Jahren als Konrektor hatte ich ja noch nicht alles gesehen und erlebt, was in dieser Funktion möglich ist. Da mich meine Aufgabe als Konrektor sehr gefordert und auch sehr zufriedengestellt hat, habe ich einen Wechsel eigentlich nie im Auge gehabt. Erst, als die Stelle in Renchen ausgeschrieben war, habe ich mir Gedanken gemacht. Die Schloßbergschule und die Grimmelshausenschule haben sehr viele Ähnlichkeiten, sind fast wie eine Blaupause voneinander. Beide haben bei einer ähnlichen Schulgröße eine Grundschule, Werkrealschule und Realschule unter einem Dach. Attraktiv ist auch die Nähe zu meinem Heimatort Ringelbach. Die Entscheidung für Renchen traf ich vor allem aber, weil ich ganz besonders von der Schulart Verbundsschule überzeugt bin. Es ist eine große Herausforderung, als Schulleiter hat man vielfältigere Aufgaben als z.B. an einer „einfachen“ Realschule. Sie haben mehrere Abschlussjahrgänge, mehrere Einschulungsfeiern. Das Schulleben mit den „Kleinen“ und den „Großen“ ist immer wieder spannend und überraschend, das habe ich als Konrektor einer Verbundschule über lange Zeit Jahre erlebt und sehr zu schätzen gelernt.

 

Wie sehen Sie die Grimmelshausenschule im Bereich der „neuen Medien“ und im IT-Bereich aufgestellt?

 

Ganz gut. Apple-Tv, Beamer und Flatscreens sind in vielen Zimmern vorhanden und hier stehen den Kollegen und Schülern z.B. auch Ipads zur Verfügung, das hatte ich in Kappelrodeck nicht. Da haben die Gemeinde und mein Vorgänger Ralf Moll bereits viel gemacht. Ich finde hier ich vieles vor, was ich selbst schon an meiner bisherigen Schule umgesetzt habe und die nächsten Schritte für mich sehr vereinfachen. Ein nächster Schritt wäre z.B. die Ausrüstung der Klassenzimmer mit Tischkameras, mit denen man vom Arbeitsblatt bis zum Realobjekt alles projizieren kann.

 

Ist die klassische Schultafel dann ein Auslaufmodell?

 

Die Tafelarbeit will ich ungern weghaben. Ich selbst unterrichte auch noch mehrere Stunden Mathematik und Physik in der achten Klasse. Dabei arbeite ich genauso gerne mit der Kreide an der Tafel wie mit den neuen Medien. Die Tafel ist weiterhin ein sehr gutes Arbeitsmittel. Unvorstellbar, dass sie komplett aus dem Klassenzimmer verschwindet. Ich arbeite viel im Wechsel mit Tafel, Ipad und Methoden wie Gruppen- und Partnerarbeit. Die Mischung macht es. Schüler sind mittlerweile durch den Umgang mit den Smartphones fast schon digital übersättigt. Über die Tafel haben sie einen ganz anderen Zugang. Manchmal finden es die Schüler dann einfach toll, wenn ich statt ein Clipart zu zeigen selbst ein Strichmännchen an die Tafel male.

 

Welche weiteren Pläne haben Sie für die Grimmelshausenschule?

 

Im Moment sehe ich mich in der Rolle des Beobachters, auf den sehr viel Neues zukommt. Räume, Strukturen, und vor allem auch die Menschen mit denen ich zusammenarbeite möchte ich richtig kennenlernen. In einem zweiten Schritt geht es dann darum, gemeinsam Entwicklungspotentiale und Zukunftsaufgaben für die Grimmelshausenschule herauszuarbeiten und umzusetzen. Doch das funktioniert nur in Zusammenarbeit mit dem Kollegium, den Schülerinnen und Schülern und natürlich auch mit den Eltern.

 

Wie entwickeln sich die Werkrealschulen generell?

 

Die Schülerzahlen der Werkrealschule Renchen sind zu diesem Schuljahr deutlich angestiegen, obwohl es in den vergangenen Jahren schwierig war, die Eingangszahlen mit 16 Schülern an vielen Werkrealschulen zu erreichen. Wir starten in diesem Schuljahr mit einer Werkrealschulklasse mit 30 Schülern. Dies stellt uns nun vor ganz andere Herausforderungen, um diesen Schülern einen möglichst guten Einstieg zu ermöglichen. Wir sind jedoch dankbar, dass sich die Eltern wieder vermehrt entscheiden, dass ihre Kinder bei einer entsprechenden Grundschulempfehlung auf diese Schule gehen. Hier werden die Kinder so gefördert, wie es für sie passt. Ich bin froh, dass die Grimmelshausenschule es geschafft hat durch den großen Einsatz aller Beteiligten, den Werkrealschulzweig immer weiter zu tragen und damit heute jedem Schüler die Schulart anbieten zu können, die zu ihm passt.

 

Wie ist die räumliche Situation in Renchen?

 

Die Klassenräume reichen aus. Generell hat die Grimmelshausenschule einen wunderschönen Campus mit den Wabengebäuden, den vielen Grünflächen und der sehr schönen Mensa. Es wird einem hier sehr einfach gemacht sich auch räumlich wohlzufühlen. Es wird auch zukünftig noch viel passieren. Die Gemeinde ist sehr engagiert, was die notwendigen Umbaumaßnahmen betrifft und die nächsten Jahre werden davon geprägt sein. Wir müssen dabei leider auch Einschnitte im Schulbetrieb machen und deshalb in Bezug auf die Stunden- und Raumplanung kreativ denken und planen müssen. Doch das Ergebnis werden z.B. tolle naturwissenschaftliche Fachräume sein. Start hierfür ist ab Pfingsten 2019. Auch in anderen Bereichen wird es neue Fachräume geben, die uns auf lange Sicht das Arbeiten erleichtern.

 

Wie sehen Sie ein Verbot von Smartphones an Schulen?

 

Regulieren muss man. Ein Problem ist zum Beispiel Cybermobbing über WhatsApp. In den ersten Schulwochen hatten wir deshalb bereits drei Anfragen von Eltern. Problematisch ist auch die Nutzung von Inhalten, die nicht in die Schule gehören, wie rechtsradikale Inhalte. Da muss es klare Regeln und Grenzen geben. Das Smartphone kann sicher auch bereicherndes Unterrichtsmedium sein. Mir persönlich ist es aber zu früh, wenn Fünftklässler bereits mit dem Smartphone umgehen, damit sind sie oftmals überfordert. Es stellt sich mir immer öfter die Frage, ob die Kinder richtig an das Medium Smartphone herangeführt werden. Wir versuchen das im Rahmen der Medienbildung teilweise zu leisten, aber ich sehe hier auch ganz besonders das Elternhaus in der Pflicht. Ein Komplettverbot von Smartphones an Schulen wie z.B. in Frankreich ist hingegen schwierig und kaum umzusetzen. Doch es ist absolut richtig und wichtig zu regeln, wie das Smartphone in der Schule zu nutzen ist.

 

Zur Person

 

Ralf Meier

Geboren am 21.12 1966,

1987 – 1990 Ausbildung zum Augenoptiker

1990-1996 Lehramtsstudium an der PH Freiburg

1996-1997 Referendariat an der Realschule Oberkirch

1997-2014 Lehrer an der Schloßbergschule Kappelrodeck in den Fächern Physik, Biologie, Technik und Mathematik

2014-2018 Konrektor an der Schloßbergschule Kappelrodeck

Seit 24. August 2018 Schulleiter der Grimmelshausenschule Renchen

 

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